Tamko Hägler - Queer und sorbisch in Cottbus
Shownotes
Nicht-binär, queer und sorbisch – für Tamko Hägler gehört das ganz selbstverständlich zusammen. In Cottbus setzt sich Tamko für Sichtbarkeit ein, organisiert queere sorbische Subkultur und zeigt, wie Tradition und Vielfalt sich gegenseitig bereichern können. Aber die Sichtbarkeit hat ihren Preis. Immer wieder gibt es Bedrohungen und Angriffe durch Rechtsextreme und wenig Unterstützung von der Politik. Aber die queere und sorbische Gemeinschaft ist stark und Tamko macht weiter. Eine Geschichte über Mut, Identität und die Frage, wem sorbische Kultur eigentlich gehört.
Links: Begegnungsort Rosa: https://losmachen.jetzt/rosa-cottbus/ Homepage Zorja, Projekt zur Revitalisierung der niedersorbischen Sprache: https://zorja.org/ Homepage Kolektiw Wakuum: https://www.instagram.com/kolektiw.wakuum/?hl=de Foto: Luka Lětko
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00:00:00:
00:00:02: "Also ich singe unglaublich gerne sorbische Lieder und ich tanze auch wirklich sehr, sehr gerne folklorische Tänze.
00:00:08: Was man sich jetzt wahrscheinlich von so einer linken Person vor allem nicht vorstellen
00:00:13: könnte."
00:00:14: Das sagt Tamko Hägler!
00:00:16: Tamko ist zweiundzwanzig Jahre alt – nicht binär, also weder Mann noch Frau, lebt in Cottbus und setzt sich dort für queere und sorbische Sichtbarkeit ein.
00:00:27: Und damit herzlich willkommen zu einer weiteren Folge unserer Podcastreihe Vielfalt in Brandenburg.
00:00:34: Mein Name ist Bettina Ritter.
00:00:47: Ich treffe Tamko im Rosa, einem Begegnungsraum für alternative Kultur und Subkultur in der Nähe des Hauptbahnhofs Cottbus.
00:00:56: Hier wird gerade renoviert!
00:00:57: Der Boden ist noch unverputzt, Werkzeug liegt herum.
00:01:01: Es ist staubig!
00:01:03: Im Rosa ist auch schon das Kollektiw Wakuum aufgetreten – ein sorbisch-wendisch-queeres feministisches Kulturkollektiv.
00:01:11: Tamko gehört dazu.
00:01:12: Wir machen einfach sorbische Subkultur vor allem.
00:01:15: Und das worauf wir Bock haben, ob es jetzt Musik ist,
00:01:17: Ob das Film ist,
00:01:19: Ob das ein Theaterstück ist wie eben die Taschkewas-Feichbar..
00:01:24: Also die Vogelhochzeit...
00:01:25: Die Vogelhochzeit ist ein sorbischer Brauch, der immer am fünfundzwanzigsten Januar gefeiert wird.
00:01:32: Dabei verkleiden sich Kinder als Vögel und feiern eine Vogelhochzeit.
00:01:37: Älster und Rabe sind Braut und Bräutigam und tragen die sorgische Hochzeitstracht.
00:01:44: Tamko machte im Januar, dass eine Queere-Geschichte ist.
00:01:50: Inklusive Drag-Queen.
00:01:52: Tamko spielte die Eule, die die gleichgeschlechtlichen Pärchen verheiratet.
00:01:57: In dem Moment der Hochzeit, wo ich schon gesagt habe, möge je Vogel sich noch mal erheben, ob es hier einen Zwitschern dagegen gibt.
00:02:07: und dann stürmt quasi die Exfreundin von der Braut rein.
00:02:13: Und die haben sich bei einem Austausch ja in Spanien kennengelernt.
00:02:17: Die beiden fangen dann natürlich an rumzuknutschen und der Bräutigam steht daneben und ist ah aber wer heiratet mich?
00:02:24: Dann macht eben der Popratch.
00:02:26: Der Popratch ist derjenige, der die Hochzeit organisiert traditionell im sorbischen.
00:02:31: Der macht dem Bräutigam
00:02:33: einen Antrag.
00:02:34: Tamko ist jetzt noch begeistert.
00:02:36: Nicht nur weil die Vorstellung ein voller Erfolg und das Rosa komplett überfüllt war, sondern vor allem, weil die queer-sorbische Vogelhochzeit so viele unterschiedliche Menschen zusammengebracht hat.
00:02:49: Dass es damals so doll angesprochen hat und wirklich auch ältere sorbische Leute gekommen sind, sich eben auch verkleidet haben und hier dann quasi neben den Cottbuser Queers standen ... Das war eine wundervolle Überschneidung.
00:03:06: Weil auch die älteren Sorben gesagt haben, ich möchte das
00:03:13: sehen.".
00:03:15: Die Vogelhochzeit war ein wichtiger Moment für beide Gemeinschaften in Cottbus – so Tamko!
00:03:22: Für die queere und die Sorbische.
00:03:24: Also, Queer- und Sorbisch feiern das geht?
00:03:26: Ich hab da wirklich noch mal Leute gefragt, die auch älter sind und queere-und sorbisch sind und schon seit vielen Jahren hier leben.
00:03:32: Und das hat quasi mit dieser Queerenvogelhochzeit damals hier im Rosa angefangen, die Möglichkeit, sorbischqueer-feiern zu geben.
00:03:40: Man konnte davor queerfeiern gehen, man könnte davor sorbisch feiern gehen aber man konnte nicht queergesaubish feiern geben.
00:03:46: Diese Überschneidung war wirklich ein Debüt!
00:03:50: Hier im Rosa, zumindest hier in Cottbus.
00:03:52: Das Kollektiw Wakuum und der Begegnungsort Rosa machen Queere- und sorbische Subkultur sichtbar.
00:03:59: Das gefällt nicht allen in Cottbus!
00:04:02: Du hast ja gesehen wie es draußen aussieht.
00:04:04: die Scheiben sind eingeschlagen man kämpft gerade so ein bisschen in der Subkultur hier auch einfach ... Ja... Um da zu bleiben, um gesehen zu werden, gehört zu werden.
00:04:14: Und auch da finde ich eben, dass das Rosa das richtig gut widerspiegelt, weil außen sieht man die Scherben und dass die Fenster kaputt sind.
00:04:23: Aber drin wird renoviert.
00:04:26: Man lässt sich nicht unterkriegen, das finde ich sehr
00:04:27: schön.".
00:04:28: Der Angriff galt nicht direkt dem Rosa – sondern dem Haus nebenan.
00:04:32: Genannt WK-Einundfünfzig als Abkürzung für die Wilhelm Kühlstraße in der es steht.
00:04:38: Laut Tamko sind die Bewohner:innen politisch aktiv.
00:04:42: Einige betreiben den nachbarschaftlichen Begegnungsraum Rosa.
00:04:45: Die Angriffe von rechts haben aber insgesamt zugenommen, so Tamko.
00:04:50: Man sieht wieder Gruppen von Jugendlichen, die meistens vollkommen in schwarz gekleidet durch die Straßen ziehen und auch ich wurde letzten Freitag wieder angefeindet und bedroht.
00:05:00: also gerade als queer gelesene Person passiert es eben
00:05:04: öfter.
00:05:05: Wir haben hier schon wirklich Situationen in Cottbus
00:05:08: wo
00:05:10: meine Mutter auch immer sagt irgendwie pass auf dich auf.
00:05:14: Ich persönlich hab mich irgendwann damit abgefunden.
00:05:17: Mir war so klar, okay, irgendwann wird's auch mich
00:05:19: erwischen.".
00:05:20: Und als es dann soweit war und ich von Faschos durch die Stadt gejagt wurde mitten in der Nacht ... War ich halt auch so, das kam relativ schnell!
00:05:29: Dass man da mal den falschen Leuten auffällt.
00:05:32: Die Situation ging gut aus?
00:05:34: Ich war schneller.
00:05:36: Mir ist ein Späti eingefallen, wo linke Leute rumhängen.
00:05:39: Dann bin ich dahin gefahren.
00:05:41: Trotzdem, die Sorge bleibt.
00:05:43: Denn die rechtsextremen Gewalttaten in Brandenburg haben zugenommen – das bestätigt auch die Kriminalstatistik von zwei Tausendfünfundzwanzig.
00:05:52: Auf das WK-51zig gab es gleich mehrere Angriffe.
00:05:57: Im April mit einer Rauchbombe.
00:05:59: Danach gab es eine Solidaritätsdemo.
00:06:02: Während der Christopher Street Aktionswoche Anfang Juli gibt es weitere mutmaßlich rechtsradikale Angriffs.
00:06:10: Laut Polizei werfen zwei Männer Molotov-Cocktails auf die Hausfassade des aktivistischen Wohnprojekts Zelle neunundsiebzig, an der zu diesem Zeitpunkt eine Regenbogenflagge hängt.
00:06:23: Es wird wegen versuchten Mordes ermittelt.
00:06:25: Tamko schickt mir eine Sprachnachricht.
00:06:34: was auf jeden Fall ein Eindruck hinterlässt.
00:06:36: Ich war zu dem Zeitpunkt leider nicht in Cottbus, habe aber eine Menge davon erfahren.
00:06:40: Man muss sagen es gab dann eben in den darauf folgenden Tagen eine Mahnwache für die Zelle nach dem Anschlag wo auch Tobias Chick unser Oberbürgermeister dabei war, was schön zu sehen war und mich auch persönlich richtig gefreut hat.
00:06:55: ich weiß aber dennoch dass viele Leute das Gefühl haben trotzdem im Stich gelassen zu werden ja das ihm doch immer noch auch in den Medien zu wenig von Rechtsextremismus gesprochen wird.
00:07:06: Also dieses Wort Rechtseextremismus, das fällt meinetwegenn wirklich viel zu wenig.
00:07:11: Stattdessen so Tamko werde stets betont dass die Ziele und die Opfer links sein.
00:07:17: Ja
00:07:17: weil man links ist wenn man links aktivistisch ist hat man sich ja provoziert.
00:07:21: also diese rechte Gewalt wird einfach geleugnet Und es wird halt so dargestellt als würde es nur den linken passieren und es könnte nicht jedem passieren.
00:07:29: Also ich bin ja meiner Meinung nach, es könnte jedem passieren der vielleicht grob in irgendeine Schublade reinpassen könnte für die Leute.
00:07:37: Für die Rechtsextremistinnen, die hier in Cottbus unterwegs sind.
00:07:40: und einfach nur falscher Ort, falsche
00:07:43: Zeit.".
00:07:43: Die queere Community in Cottbus lässt sich nicht einschüchtern.
00:07:48: Neun Tage nach dem Anschlag feiert sie den Christopher Street Day in der Innenstadt mit einer Parade.
00:07:54: Tamko ist auch dabei!
00:07:56: Ich habe jetzt nicht großartig Angst, weil ich bis jetzt noch nichts mitbekommen habe von richtigen rechten Mobilisierungen und ich werde auf dem CSD tatsächlich eine sorbische Rede halten.
00:08:08: Und zwar haben wir das sehr coole Ding hier in Cottbus was sich die Leute vom CSD e.V. haben einfallen lassen, dass dieselbe Rede quasi auf verschiedene Sprachen gehalten wird, unter anderem eben auf Englisch oder eben direkt in Gebärdensprache übersetzt wird und unter andermen dann eben halt auf Sorbisch.
00:08:27: Also es ist immer quasi die selbe Ansprache nur in unterschiedlichen Sprachen, die von BewohnerInnen vom Cottbus gesprochen werden.
00:08:36: Rückhalt und Unterstützung kommt aus der Subkultur, so Tamko.
00:08:40: Wenige Tage nachdem die Scheiben beim WK-Einundfünfzig eingeschlagen wurden, gab das Kollektiw Wakuum die Vogelhochzeit im Rosa vor vollem Haus zum Besten.
00:08:50: Ich muss sagen es ist wirklich gerade eben dieses Queer sein in Cottbus.
00:08:55: Also sichtbar queer zu sein
00:08:57: ist
00:08:57: derart auf jeden Fall nicht das Ungefährlichste was man machen kann.
00:09:00: wo ich auch wirklich sagen muss dass Es ist wirklich die Öffentlichkeit, die deutschen Räume sind.
00:09:06: Sobald ich in sorbischen Räumen bin, ist da meistens eine riesige
00:09:09: Akzeptanz.".
00:09:10: In Westdeutschland geboren und aufgewachsen, ist Tamko vor zehn Jahren in der dritten Klasse nach Cottbus gekommen.
00:09:18: Die prägenden Jahre verbringt Tamko hier – und findet über einen Freund zur sorbischen Kultur.
00:09:23: Er hat mich dann eingeladen im subkulturellen sorbischen Raum und den kannte ich da.
00:09:28: Leute einfach weil es Cottbus ist!
00:09:31: beziehungsweise die Lausitz
00:09:33: Und ja ich bin geblieben.
00:09:36: also was soll ich sagen?
00:09:37: Es ist unglaublich angenehm die Leute sind toll.
00:09:40: Ich hab dann natürlich auch selbst geguckt ob ich irgendwo sorbische Wurzeln habe und mein Opa kommt tatsächlich hier aus der Gegend aber das nachzuvollziehen.
00:09:49: jetzt wo er tot ist es halt eben auch schwer vor allem da noch eine Flucht in den Westen dazwischen ist und deswegen ist das so ein bisschen der Sorbe im Sack.
00:09:58: Tamko fühlt sich trotzdem sofort akzeptiert.
00:10:28: Die Definition vom Sorbischen ist ja eigentlich extrem offen, es könnte eigentlich jeder aus der Lausitzung darüber hinaus sagen, ich bin Sorbe.
00:10:32: Weil man ist es wahrscheinlich irgendwann mal auch vielleicht
00:10:35: gewesen.".
00:10:36: Was Tamko am meisten anzieht an der sorbischen Kultur?
00:10:40: Die Gemeinschaft ... Ich wusste wie man aufs Sorbisch lacht bevor ich Sorbisch verstanden habe.
00:10:46: also ich saß quasi auch oft in Gruppen wo nur Sorbisch geredet wurde und das war für mich vollkommen okay weil ich war da, ich wusste irgendwie niemand will was Böses.
00:10:56: Das ist ja auch oft so eine Unsicherheit von Leuten irgendwie.
00:10:59: Ich verstehe die Sprache nicht, jetzt wird über mich gelästert, ne überhaupt
00:11:02: nicht.".
00:11:03: Trotzdem fängt Tamko irgendwann an sorbisch zu lernen.
00:11:07: Muss ja ... also das ist ja nur das Anständige!
00:11:11: Auch vor allem da es eben eine Dominanzsprache ist, also das Deutsche Und eben das Sorbische auch eigentlich diesen Sprachraum verdient, diese Aufmerksamkeit.
00:11:19: Auch dass Leute es wieder lernen weil es eben diese Geschichte der Unterdrückung gibt.
00:11:24: Diese Verbote in den Schulen, dass die Kinder damals geschlagen wurden unter den Nazis und auch schon davor.
00:11:31: Tamko beschäftigt sich intensiv mit der Sprache und nimmt an Zorja teil ein Projekt, das die niedersorbische Sprache widerbeleben will.
00:11:40: Und was man eben da den ganzen Tag macht, ist Sorbisch lernen und zwar immersiv.
00:11:45: Also es gibt ja hier in Deutschland keinen sorbischen immersiven Sprachraum.
00:11:50: Wenn du ins Ausland gehst, Spanisch lernen möchtest Du fährst nach Spanien Da sprechen die meisten spanisch.
00:11:57: Das ebenso zu simulieren, zu kreieren.
00:12:01: Dafür ist dieses Sprachprojekt da.
00:12:03: Man ist quasi in diesem Haus in Dissen.
00:12:07: Am besten hört man den ganzen Tag sorbisch und unterhält sich.
00:12:11: Man versteht immer mehr, auch den natürlichen Fluss der Sprache.
00:12:15: Dann besuchen wir die Muttersprachlerinnen, die noch da sind, um diesen Spezifischen von Dorf zu Dorf unterschiedlichen Fluss zu kennen oder die unterschiedlichen Mundarten.
00:12:28: Das funktioniert sehr gut!
00:12:30: Auch bei Sorya erfährt Tamko eine größere Offenheit als in der deutschen Mehrheitsgesellschaft.
00:12:36: Auch als ich das Sprachprojekt angefangen habe, wurde mir auch geholfen quasi meine Pronomen zu finden.
00:12:41: Also ich bin die erste Person, die eben nicht binär ist und dass auch in der sorbischen Sprache zeigt.
00:12:50: Und da eine Möglichkeit zu finden war auch wirklich meinen Sprachtrainerinnen ein Anliegen.
00:12:56: Ich benutze das Pronomen Veno Das ist quasi die neutrale Form im Sorbischen.
00:13:02: Es gibt aber auch Überlegungen von mir, beispielsweise die Mehrzahl Vöni zu nehmen.
00:13:07: Das ist einfach was, was ich rausfinden werde.
00:13:09: also ich bin ein ziemlicher Einzelfall bis
00:13:11: jetzt.".
00:13:11: Im nächsten Jahrgang wird laut Tamko wieder eine nichtbinäre Person teilnehmen.
00:13:16: im Deutschen verwendet Tamko die Pronomen Dey und Deren.
00:13:20: deren Sorbisch ist inzwischen so gut dass dey für den Rundfunk Berlin Brandenburg als freie mitarbeitende Person arbeitet für das niedersorbische Programm.
00:13:30: Es steht auf jeden Fall in dieser Abmachung drin, die es zwischen dem deutschen Staat und der wendisch-sorbischen Bevölkerung eben gibt.
00:13:38: Und da steht eben drinnen das, dass
00:13:40: die Sorben
00:13:41: recht offen angemessenes Radioprogramm haben was leider gerade nur eine Stunde am Tag ist, was auch hart ist.meiner Meinung nach nicht angemessen.
00:13:51: Das müsste man rausfinden.
00:13:53: Was ist dann eigentlich angemessen?
00:13:54: Weil der MDR in der Oberlausitz, der sendet soweit ich weiß den ganzen Tag das obersorbische Radio dort.
00:14:02: Und bei uns ist es halt eben nur eine
00:14:03: Stunde.".
00:14:04: Obersorbisch wird in der sächsischen Oberlausitz gesprochen, Niedersorbisch hauptsächlich in der brandenburgischen Niederlausitz.
00:14:12: Tamko pflegt das sorbische Brauchtum und steht auch hier für Vielfalt- und Queeren nichtbinäre Sichtbarkeit.
00:14:20: Beispielsweise, wenn ein Sapust stattfindet – die traditionelle Winteraustreibungs- und Fastnachtstraditionen.
00:14:27: Bei den Umzügen laufen vor allem die Frauen in Tracht, Röcke oder Kleider und teilweise aufwendiger
00:14:34: Kopfschmuck." Und da bin ich eben auch bei einer anderen nicht-binären Person mitgelaufen
00:14:39: Einer Person, die auch nächstes Jahr bei Säuer ist.
00:14:41: Wir sind nicht so viele und da bin ich dann eben auch im Anzug gelaufen.
00:14:47: Nächstes Jahr bin ich auch wieder bei einem anderen Sapust eingeladen wo mir dann sogar angeboten wurde irgendwie dass sich meine Nichtbinäre-Tracht zusammenstelle.
00:14:56: also da gibt es eine extreme Offenheit auch eben gerade bei einem kleineren Sapust.
00:15:02: Heute werden Trachten in der Lausitz vor allem an solchen Festtagen getragen.
00:15:07: Tamko setzt sich dafür ein, sorbische Ästhetiken und Elemente in der Alltagskleidung zu etablieren.
00:15:14: Um auch so mehr Sichtbarkeit herzustellen.
00:15:17: Deshalb hat Tamko am Internationalen Museumstag im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst einen Workshop zur moderner sorbischer Kleidung angeboten.
00:15:29: Diese Ästhetik quasi zurückzubringen, diese Sichtbarigkeit Was wäre, wenn es diese Dominanzkultur des Deutschen hier in der Lausitz nie gegeben hätte?
00:15:39: Wie hatte sich die Kleidung entwickelt?
00:15:43: Gebe es vielleicht eine Entwicklung irgendwie Schleifenband an der Kleidungen zu tragen oder diesen Blütensteckereien.
00:15:53: Oder auch sorbische Schriftzüge.
00:15:54: Das ist nicht allein meine Idee.
00:15:57: Es gibt bereits auch Künstlerinnen die sorbische Kleidung herstellen oder neue Adaptionen, Interpretationen der sorbischen Tracht eben auch verkaufen und
00:16:06: anbieten.".
00:16:06: Tampo selbst bindet auch sorbische Elemente in die Alltagskleidung ein.
00:16:11: Ein Blaudrucktuch ist an die Hose geknotet – im Ohrläppchen baumelt ein langer OhrRing!
00:16:17: Das ist der Schlangenkönig, den tragen auch ganz viele von uns.
00:16:21: Es wird auch in der Lotka verkauft hier im Cottbus und es gibt einen kleinen saubischen Laden da wird auch Blaudruck verkauft.
00:16:27: und solche kleine Elemente eben in den Alltag zu integrieren.
00:16:30: dann gibt's auch eine Freundin von Mihaila Stolecki oder auch weitere Sorbinnen die tätowieren also es gibt sorbische Tattoos quasi die sorbische Kultur so zu leben, dass sie eben Alltag ist und nicht nur was Saisonales.
00:16:46: Nicht nur etwas, das auch für Touris ausgepackt
00:16:49: wird.".
00:16:49: Wogegen sich Tamko wendet?
00:16:51: Ist die Instrumentalisierung von sorbischer Tradition – Für den Tourismus beispielsweise im Spreewald oder die Vereinnamung von Minderheitenkulturen, auch der sorbischen durch die neue Rechte.
00:17:04: Also dass es diese Diversität in Deutschland gibt, das hat mittlerweile auch die AfD mitbekommen.
00:17:09: Da gibt's ein ganz schlimmes Poster wo eben drauf steht wir haben bereits genug Diversität in Deutschland und dann sind da verschiedene Trachten darauf.
00:17:17: dieses Phänomen, dass Minderheiten so auf einmal Besuch bekommen von rechten Rechtsextremen ist irgendwie nichts was nur bei den Sorben passiert sondern das ist meiner Meinung nach halt die Suche nach diesem Ideal Also dieses Ideal von, wenn man jetzt nach einer rassistischen Theorie gehen würde.
00:17:39: Irgendem idealen Volk, irgendeinem idealen Volksstamm der keine Ahnung noch sinkt und tanzt und richtig aussieht wie Gott sich das gedacht hat.
00:17:51: Schon einmal gab es eine Vereinnamung durch die Nationalsozialisten.
00:17:56: Die hoben die Sorben einst auf das Schild.
00:17:58: später wurden dann Sprache- und Brauchtum verboten.
00:18:03: Vor dem Nationalsozialismus auf den Weg der NSDAP hoch gab es eben Leute von der NSDAP, die eben auch auf sorbisch-wendische Dörfer gegangen sind und gesagt haben ihr seid mir noch lieber als die Deutschen.
00:18:17: Und wie toll ihr eure Kultur bewahrt!
00:18:19: Und dann haben eben doch viele Sorben und Wenden NSDAP gewählt.
00:18:24: Also auch da irgendwie Geschichte nicht nochmal zu wiederholen ich glaube das ist schon... Da ist eine Awareness da
00:18:31: Nicht binär, queer und sorbisch.
00:18:33: Tamko vereint gleich mehrere Identitäten.
00:18:36: Trotz Anfeindungen von Rechtsradikalen zeigt Tamko Gesicht Und setzt sich für mehr Sichtbarkeit ein mit Mut- und Durchhaltevermögen.
00:18:47: Doch oft genug sind die Schwierigkeiten vergessen.
00:18:50: Es wird gemeinschaftlich getanzt und gesungen Sorbisch und Queer Es
00:19:00: ist eben genau diese
00:19:01: Stimmung, die
00:19:02: man irgendwie von einem Stammtisch kennen würde.
00:19:05: Aber halt in dem Raum voller queerer Leute.
00:19:09: und dass das eben auch nicht auszuschließen ist.
00:19:13: Und man da aufpassen muss im Klischee zu denken
00:19:17: weil
00:19:18: das schon zusammen funktionieren kann.
00:19:20: Das zeigt irgendwie diese Überschneidung von sorbisch & queer
00:19:24: ganz
00:19:24: gut Weil es eben peak Sorbische Experience ist, wenn man feiern ist.
00:19:31: Irgendwo überall in der Lausitz, dass man irgendwann mit einem Bier in der Hand brüllend dasteht und alte sorbische Lieder
00:19:41: singt.".
00:19:51: Das war eine Folge unserer Podcastreihe Vielfalt in Brandenburg über Tamko Hägler – Eine queer-und sorgisch aktivistische Person im Cottbus.
00:20:01: Informationen zu unserer Podcast-Serie und weitere Folgen findet ihr auf der Webseite www.böll-brandenburg.de.
00:20:11: Diese Reihe und alle weiteren Podcasts der Heinrich Böll Stiftung könnt Ihr auf der Podcastapp Eurer Wahl abonnieren.
00:20:19: Für Feedback und Anregungen schreibt uns eine Mail an info@böll-brandenburg.de und empfiehlt uns gerne weiter.
00:20:28: Ich bin Bettina Ritter.
00:20:29: Tschüss und bis zum nächsten
00:20:50: Mal!
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