Beikraut, Belugalinsen und Geduld: Bernard Albers' Hof Weg zum Biolandbau
Shownotes
Vielfalt auf dem Acker und auf dem Teller: Bernard Albers hat seinen Hof in Zechin im Märkisch-Oderland vor fünf Jahren auf ökologischen Landbau umgestellt. Seitdem setzt er verstärkt auf Hülsenfrüchte wie Linsen und Kichererbsen. Der Grund liegt auch im Klimawandel: Der Oderbruch zählt zu den trockensten Regionen Deutschlands. Leguminosen kommen mit wenig Wasser besser klar als Getreide – und binden zugleich Luftstickstoff, sodass Kunstdünger überflüssig wird. Franziska Walser hat den Hof besucht und sich mit Bernard Albers über Neuanfänge, anlehnungsbedürftige Linsen und hartnäckiges Beikraut unterhalten.
Links: • Bio-Hof Albers bei Regionalwert Berlin: https://www.regionalwert-berlin.de/unsere-partner/partnerbetriebe/bio-hof-albers/ • Projekt KIWERTa: https://www.regionalwert-berlin.de/unsere-projekte/kiwerta/ • Legunet – Netzwerk Leguminosen: https://www.legunet.de/ • Umweltbundesamt: Regionale Klimaanpassung Brandenburg: https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimafolgen-anpassung/anpassung-an-den-klimawandel/anpassung-auf-laenderebene/regionale-anpassung-in-brandenburg
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00:00:04: Vielfalt in Brandenburg, ein Podcast der Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg.
00:00:10: Willkommen zu einer neuen Folge von Vielfalt in Brandenburg!
00:00:13: Ich bin Franziska Walser und gemeinsam mit meinen Kolleginnen stellen wir hier Menschen und Projekte aus Brandenberg vor, die Neues ausprobieren und sich engagieren, um das Leben in Brandenburg noch vielfältiger zu machen.
00:00:25: Heute geht es um Vielfalt auf dem Acker und auf dem Teller.
00:00:28: Bernard Albers hat seinen Hof in Zechin, in Märkisch-Oderland umgestellt und baut jetzt Hülsenfrüchte nach ökologischen Standards an.
00:00:37: Unter anderem weil die besser mit dem Klimawandel zurechtkommen.
00:00:40: "Wenn du etwas Neues machst hast du mal ein bisschen Angst.
00:00:43: Es kann alles Mögliche passieren.
00:00:44: Du musst es einfach ausprobieren.
00:00:46: Du sprichst mit zwei drei Leuten.
00:00:47: Einer sagt: "Ja wunderbar". Der andere sagt: "Lass bloß mal". Und du musst das für dich finden und da auch hinter stehen.
00:00:54: und dann musst du einfach ran.
00:00:56: Und ich dachte, das packst du.
00:00:58: Ich hab's auch nicht bereut, muss ich
00:00:59: sagen."
00:01:01: Noch vor Bernhard Albers, begrüßt uns sein Hund als wir auf den Hof einbiegen.
00:01:05: Wir lassen das Auto vor dem Wohnhaus stehen und steigen um in seinen Land Rover.
00:01:10: Vor dem Interview wollen wir erst mal sehen, worum es geht.
00:01:13: Nach einem Frühling, der nicht wirklich warm werden wollte, sind jetzt Mitte Mai Soja-und-Linsen "eingedrillt" wie es im Landwirtschaftsjargon heißt – und fangen an zu keimen!
00:01:24: Ungefähr achthundert Hektar bewirtschaftet Bernard Albers gemeinsam mit seinem Sohn Ludwig.
00:01:29: Ein Teil der Anbaufläche gehört ihm, den Rest pachtet er dazu.
00:01:33: Weshalb die Feldbesichtigung auch eine kleine Rundreise durch die Gemeinde Zechin wird – Alleen, Störche in ihren Nestern und ein zarter Flaum Sojabohnengrün
00:01:45: "Das wird alles Soja.
00:01:47: Hier hinterm Graben, hinten ist der Hof, wo wir vorhin waren.
00:01:50: In diesem Jahr habe ich hier in Zechin die Sojabohnen stehen, im letzten Jahr hatte ich sie in Worgast und das wechselt immer ein
00:01:56: bisschen."
00:01:57: Die Sojabbone braucht Wärme um zu keimen – im Schnitt zehn Grad Bodentemperatur.
00:02:02: Wenn es soweit ist, befüllen Vater und Sohn die Einzelkornsee-Maschine, die mittels GPS exakte Reihen zieht und das Saatgut sensorgesteuert automatisch im gewünschten Abstand einsetzt.
00:02:14: Ohne solche moderne Landwirtschaftstechnik wären die großen Flächen zu zweit nicht zu bewirtschaften.
00:02:20: Als nächstes, wenn die Pflanzen noch ein bisschen gewachsen sind, ist es Zeit für die Hackmaschine.
00:02:25: Wenn die Reihen gut da sind, werden wir anfangen zu hacken, weil das sind eben keine Bohnen, das ist Unkraut.
00:02:31: und zwischen den Reihen wird nachher das Unkraut gehackt. Das wird mit einer Hackmaschine. Und sie kann die Reihen erkennen, aber die müssen etwas größer sein. Die würde die so auch nicht erkennen.
00:02:41: Man braucht schon ein geübtes Auge, um die Keimblätter des Soja vom Unkraut zu unterscheiden.
00:02:46: Weshalb ich bei der Feldbesichtigung immer wieder auf Jungpflanzen trample.
00:02:50: Was Bernhard Albers entspannt mit: "Die können das ab" kommentiert!
00:02:54: Der Kampf gegen das Unkraut oder Beikraut mit der Hackmaschine, statt mit Unkrautvernichtungsmitteln, das war neu für Bernard Albers als er vor fünf Jahren begonnen hat seinen Hof auf Ökolandbau umzustellen.
00:03:06: Auf dem nächsten Feld sollten eigentlich Sonnenblumen wachsen.
00:03:09: Tun Sie auch!
00:03:10: Aber nicht alleine.
00:03:11: "Kamille,
00:03:12: das ist hier so eine Ackerwindel.
00:03:14: Das ist auch ein schlimmes Kraut.
00:03:15: Es wickelt sich nachher so richtig rum.
00:03:16: Dass es Klette ... Wenn da einzelne Pflanzen stehen, ist das nicht schlimm.
00:03:20: Wenn das fette Nester sind, die ziehen dann alles runter.
00:03:25: Als wir später bei Café und Wraps mit Kirchererbsen-Hummus aus eigenem Anbau am Küchentisch sitzen, sagt Bernhard Albers, wenn er eine Sache bei der Umstellung des Hofs unterschätzt hat... Da
00:03:37: ja dann kein chemischer Flanzenschutz mehr stattfinden darf und soll, das ist auch richtig so.
00:03:43: Sonst hätte ich keine ökologische Landwirtschaft machen brauchen.
00:03:46: Ich war erstaunt wie viel Potenzial im Boden an Unkrautsamen da ist.
00:03:50: Das ist phänomenal!
00:03:52: Die Samen haben zum Teil je nachdem was für Unkrautsamen es sich handelt, haben eine Halbwertzeit, solange sie laufen und keimen können von dreißig Jahren.
00:04:03: Es gibt andere, das geht da bloß drei Jahre.
00:04:05: Aber die extremen Kräuter schaffen das
00:04:09: lange.".
00:04:10: Dreißig Jahre Keimfähigkeit – Das heißt?
00:04:12: Dass Unkraut, dass die Hackmaschine heute bekämpft wird vermutlich noch seinen Sohn Ludwig beschäftigen, der den Hof übernehmen wird.
00:04:20: Bis dahin passt sich Bernhard Albers an die Natur an und nicht umgekehrt.
00:04:24: "Das ist nun mal eben im Boden vorhanden, du kannst ja dann auch das ein bisschen über die Fruchtfolge steuern, dass du diese Flächen, die dann wirklich sehr, sehr krautig werden können, dass da eine Kultur rauf setzt, die nicht so empfindlich ist gegen Beikräuter.
00:04:39: zum Beispiel Sonnenblumen, die etwas höher wachsen, haben dann irgendwann die Oberhand und wenn dann ein bisschen Kraut da ist es nicht mehr so tragisch.
00:04:47: Wir waren zum Beispiel vorhin auf dem Linsenfeld.
00:04:49: Wenn wir da zu viel Beikräuter hätten, können wir nichts machen und das wird nicht geschwiegelt.
00:04:55: Dann würde es nachher ein sehr bunter Acker werden, was für die Insekten natürlich toll ist, aber dann kann es dazu führen dass er gar nicht mehr beerntet werden kann.
00:05:04: also da muss man irgendwo versuchen so einen Kompromiss zu finden
00:05:07: sich an die Umstände anpassen, Herausforderungen als Chancen sehen, in Bewegung bleiben, auch weil es ihm sonst langweilig wird."
00:05:15: Dieses Motiv zieht sich durch das Gespräch mit Bernhard Albers und durch sein Leben.
00:05:20: "Irgendwann wachst du auf und denkst jetzt hast du vierzig Jahre Landwirtschaft gemacht und eigentlich alles gesehen und gemacht?
00:05:28: Es muss doch noch was anderes geben!
00:05:30: Und das reizt dich dann einfach..."
00:05:32: Eine große Bewegung war der Ortswechsel von Niedersachsen in den Oderbruch.
00:05:37: Albers Familie bewirtschaftet in Vechta, seit fünf, sechshundert Jahren wie er sagt, einen Hof.
00:05:43: Der wurde an den Bruder vererbt und Bernhard Albers fuhr, dreißig Jahre alt, Gen Osten. Das
00:05:49: war im Jahr '92 der Reiz,
00:05:51: Wenn du Landwirt mit Leib und Seele bist dann siehst Du die großen schönen Flächen Und das hat schon gereizt und ist nach wie vor schön.
00:06:00: Auch die Landschaft gefällt mir hier gut, ist ähnlich wie da wo ich groß geworden bin.
00:06:05: Also ich kann heute immer noch sagen
00:06:07: prima."
00:06:07: Etwas anderes als Landwirtschaft konnte sich Bernhard Albers nie vorstellen – und er ist beneidenswert zufrieden mit diesem Leben.
00:06:18: "Das mache ich gerne, das stört mich nicht, das 9 Uhr ist. Das ist Landwirtschaft, das ist mein Hobby, das ist beides, Beruf und Hobby. Das ist eigentlich ein ganz vielseitiger Beruf, weil du machst nie immer das Gleiche.
00:06:29: Es war alles wiederkehrend.
00:06:31: Du sähst jedes Jahr aber das Sähen dauert eine Woche oder zwei Wochen und dann reparierst du auch Maschinen.
00:06:40: Für mich ist es
00:06:41: schön."
00:06:42: In den ersten Jahren etabliert er in Zechin eine konventionelle Landwirtschaft mit Dreschfrüchten – also alles was man mit dem Mähdrescher ernten kann: Weizen, Gerste, Raps später auch Sonnenblumen denen das Klima in Niedersachsen zu rau war, die aber im Brandenburg gut zurechtkommen.
00:06:58: Die Umstellung auf biologische Landwirtschaft vor fünf Jahren hatte neben der Lust etwas Neues auszuprobieren auch handfeste ökonomische Gründe sagt Bernhard Albers.
00:07:08: Das liegt an den Wetterbedingungen, die sich in den vierundzwanzig Jahren seitdem Bernhard Albers seine Landwirtschaft im Oderbruch betreibt extrem verändert haben.
00:07:16: "Auf unseren Feldern waren immer Bestellen.
00:07:19: früher da war es jedes zweite Jahr, konntest du dann nicht bestellen, weil da so ein Wasserloch war.
00:07:24: die sind weg sind alle trocken.
00:07:26: von meinem Gefühl her: Es ist trockener geworden dir fehlen in den Monaten Mai Juni fehlt hier Wasser.
00:07:33: In der Ernte haben wir komischerweise immer was, obwohl wir es dann nicht brauchen.
00:07:38: Aber für die Grundwasserbildung ist das natürlich auch
00:07:40: wichtig."
00:07:41: Um das Jahr 1740 begann der preußische Herrscher Friedrich II mit der Amelioration des Oderbruches.
00:07:48: Es wurden Deiche gebaut und ein System von Abzugsgräben um das Feuchtgebiet trocken zu legen und in Ackerland verwandeln.
00:07:56: Jetzt kämpft der Oderbruch mit genau der gegenteiligen Entwicklung.
00:08:00: Der Grundwasserspiegel sinkt und das Wasser wird knapp!
00:08:03: Mit nur rund 500 Millimetern Niederschlag pro Jahr zählt das Oderbruchtal zu den trockensten Regionen Deutschlands.
00:08:10: Dazu kommt, dass der Niederschlag zunehmend als Starkregen fällt, der schlechter vom Erdreich aufgenommen werden kann als andauernder
00:08:16: Landregen.
00:08:18: Die Folgen spüren Landwirte unmittelbar, sagt Albers.
00:08:21: Es lässt sich aus einer Ackerfläche einfach nicht mehr so viel
00:08:24: herausholen.
00:08:41: "Wenn du weniger Wasser hast, kriegst du auch weniger Ertrag.
00:08:44: Den kannst du aber auch erzielen ohne Pflanzenschutzmittel und ohne Dünger.
00:08:48: Und das ist ja auch ein geringes Risiko, weil wenn ich ein Jahr habe, was trocken ist und das Wasser ist der begrenzende Faktor.
00:08:56: dann hab' ich trotzdem den Düngern- und den Pflanzenschutz schon weg.
00:09:00: Den kriege ich ja auch nachher nicht wieder.
00:09:02: Da bin ich im ökologischen Bereich, da setze sich diese Sachen ja gar nicht ein und die brauche ich mir da gar nicht wiederholen."
00:09:09: Die ökologische Bewirtschaftung senkt das wirtschaftliche Risiko, denn die Kosten für Dünger und Unkrautvernichtungen fallen weg.
00:09:16: Die Leguminosen – also Hülsenfrüchte wie Linsen- und Kichererbsen -, die Bernhard Albers nach der Umstellung zur Biolandwirtschaft in den Fokus genommen hat, haben in dieser Situation gleich mehrere Vorteile.
00:09:27: "Du willst Erträge erzielen?
00:09:29: Und du brauchst Nährstoffe!
00:09:30: Du kannst ja nicht mehr Handelsdünger kaufen, weil es kein natürliches Ursprung ist.
00:09:36: Der synthetisch erzeugte Stickstoff. Also musst du das über den Boden und über die Pflanze holen.
00:09:42: Dann brauchst du eben Leguminosen, die den Luft-Stickstoff mit Hilfe ihrer Knöllchenbakterien, Knöllchennwurzeln binden.
00:09:50: Und dann guckst du dir an was wächst hier?
00:09:54: Mit was kommt man selber klar?
00:09:56: Was kann man auch verkaufen.
00:09:58: Und so bin ich dann unter anderem auch in den Linsen-Anbau eingestiegen.
00:10:02: Weil die Linsen, das war eine ganz alte Kultur, ist aber ein bisschen in Vergessenheit geraten.
00:10:07: Aber jetzt mehr, weil sich die Leute entschieden haben wieder hiesige Produkte mehr zu kaufen, statt meinetwegen Linsen aus Kanada.
00:10:17: noch einen Vorteil: Linsen sind echte Anpassungskünstler, die auch mit geringen Niederschlagsmengen und plötzlichen Starkregen zurechtkommen.
00:10:25: Die Linsen kommen mit Trockenheit wesentlich besser klar wie Getreide.
00:10:30: Getreiden baue ich zwar noch an, aber vorher zu konventionellen Zeiten war der Getreideranteil viel höher.
00:10:36: Wenn du konventionell produzierst, kannst du zwar auch die ganzen Leguminosen anbauen, Du kannst auch Linsen anbauen, du kannst Erbsen anbaueen, Soja-Bohnen, alles das was wir jetzt auch machen.
00:10:48: Du wirst es aber nicht zu auskömmlichen Preisen verkaufen können.
00:10:52: Weil das geht dann überwiegend in die Tierinährung.
00:10:54: und da in der Tierinährung musst du dann wieder mit Importware, die an den Häfen ankommt, konkurrieren.
00:11:00: Und wenn du Erbsen produzierst, Körnererbsen als Futterware und sollts dir für... ...25 Euro Doppelzentner verkaufen, da stirbst du einen einsamen
00:11:10: Heldentod."
00:11:11: Bernhard Albers hat sich in seinem Biobetrieb für den Anbau von Beluga-Linsen entschieden schwarze kleine Früchte, die an Kaviar erinnern und beim Kochen bissfest bleiben.
00:11:21: Für Linsenverhältnisse werden Beluga-Pflanzen recht hoch – ungefähr bis zum Knie.
00:11:26: Und noch eine Besonderheit gibt es!
00:11:28: Die Linse braucht jemand zum Anlehnen, sagt der Landwirt.
00:11:31: "Weil die Pflanzen zart sind, werden sie gemeinsam mit Leiendotter als Stützfrucht
00:11:35: angebaut.
00:11:42: Du musst einen kompakten Bestand haben.
00:11:44: Auch wenn du Wind hast, dass das sich umkippt, muss ich alles verhaken.
00:11:48: Es werden mehr Leiendotterpflanzen sein wie Linsen.
00:11:51: die Linse hat auch mehr Eigenschaft noch sich auszudehnen zu den Seiten und zu bestocken.
00:11:56: Das hat der Leiendoter nicht so.
00:11:57: da kommt es einer Pflanze noch bis ein Hallen
00:12:00: geerntet wird im Herbst beides zusammen und dann sortiert."
00:12:03: Der Leiendotter geht an einen Hersteller der das Öl aus den Samen mit Pigmenten zu traditionellen Farben verarbeitet.
00:12:10: Die Linse bringt in guten Jahren eine Tonne pro Hektar, sagt Albers.
00:12:14: "Manchmal ist es nur eine halbe Tonne aber auch dann rechnet sich der Anbau
00:12:17: noch.
00:12:19: Der größte Teil der Ware geht zu Naturland, wo die Linsen abgepackt und weiterverkauft werden zum Beispiel an die Gastronomie.
00:12:26: Ein kleiner Teil der Linsen landet in Stoffsäckchen verpackt im Hofladen.
00:12:31: Anders als andere Hofläden in Brandenburg kommt er eher bescheiden
00:12:35: daher. Auf einer Holztür stehen die Preise angeschlagen: Ein Kilo Linsen, fünf Euro.
00:12:40: Vierzig Kilo Weizen, fünfzehn Euro.
00:12:43: Darunter der Zusatz "Selbstbedienung!.
00:12:45: Die
00:12:45: Zeit gehen Sonnenblumen nicht gut und einige füttern noch.
00:12:49: Dann ist das Weizen für die Hühner.
00:12:52: Das habe ich dann in Big Bag und das sacke ich dann ab.
00:12:56: Und da haben wir dann noch Kichererbsen und Linsen. Die kommen dann in solche Tütchen.
00:13:05: Die können sich dann rausnehmen.
00:13:07: Du hast eine Woche, da gehst du in zehn Tüten weg, du hast mal ne Woche, der gehen bloß zwei weg.
00:13:12: Davon könnte ich nicht
00:13:13: leben.".
00:13:14: Der Hofladen ist eher ein Nebengeschäft sowie die Tannenbäume, die auf einem kleinen Teil des Geländes angebaut werden.
00:13:20: Um Weihnachten herum eröffnet Bernhard Albers mit seiner Familie den Hof für Christbaumverkauf und Glühwein Ausschank.
00:13:27: Es ist ihm wichtig dass Menschen die auf dem Land leben, Kontakt behalten zu dem, was um sie herum angebaut wird.
00:13:33: Dass das funktioniert, merkt er an den Begegnungen im Hofladen.
00:13:36: Viele sind auch die bringen dann ihre Freundin oder Freund mit, die sind dann stolz, dass es hier auf was zu kaufen gibt.
00:13:42: Die kommen vielleicht aus Zechin, guck mal!
00:13:44: Das kann man hier kriegen und das freut mich dann ja.
00:13:47: Stillstand und Routine sind, wie gesagt, nicht das Ding von Bernhard Albers.
00:13:51: Als ich ihn im Interview frage, welche Ideen er für die nächsten zehn Jahre hat, muss ich nicht lange auf die Antwort warten.
00:13:57: "Ich möchte ganz gern noch ein paar Produkte auch anbieten zum Beispiel in Erdbeeren aber auch nicht so wie Karls-Erdbeerhof sondern ein zwei Hektar was die Leute hier selbst pflücken können.
00:14:08: Da musst du natürlich auch einen bisschen langen Atem haben, Aber die Leute wissen vielfach gar nicht, was sie mit ihrer Freizeit machen sollen.
00:14:14: Dann können Sie auch zu Albers fahren und Erdbeereh pflücken.
00:14:17: Bernhard Albers kann aber nicht nur neue Dinge anfangen wann man es mal gut sein lassen muss.
00:14:23: Kichererbsen zum Beispiel hat er dieses Jahr nicht angebaut, es hat sich in den letzten Jahren einfach nicht gelohnt.
00:14:28: "Die Kirchererbse kann ich hier nur kostendeckend anbauen, wenn ich die an den Endkunden bringe oder an die Unverpacktläden nach Berlin, wenn ich die für einen Großhandel produziere.
00:14:39: Ich kann nicht mit Ware aus Österreich und Italien konkurrieren, weil sie einfach sicherere Erträge bringen wie ich.
00:14:47: Wo dann es liegt, kann ich ihn noch nicht sagen.
00:14:49: Und da arbeiten wir auch einmal mit dem ZALF zusammen, um rauszubekommen warum sie hier relativ unsicher ist.
00:14:56: die Kichererbse und vielleicht weiß ich im nächsten Jahr mehr.
00:15:00: damit wird das besser hinkriegen."
00:15:02: ZALF ist die Abkürzung für das Leibniz-Zentrum für Agrar Landschaftsforschung mit dem Bernhard Albers zur wissenschaftlichen Begleitung des Leguminosenanbau kooperiert.
00:15:13: Das ZALF stellt Messstationen auf seine Felder. Er profitiert von den Erkenntnissen.
00:15:19: Diese Kooperation ist wichtig, denn der Anbau von Linsen und Kichererbsen in Brandenburg isst Pionierarbeit.
00:15:24: Es wurde mit Mitteln der Investitionsbank des Landes Brandenburger das Projekt K-WERTA gegründet.
00:15:32: Über drei Jahre soll hier eine Wertschöpfungskette von der Erzeugung über die Verarbeitung bis zum Handel und zur Gastronomie aufgebaut werden.
00:15:40: Gleichzeitig entsteht ein Netzwerk von neugierigen und engagierten Landwirtinnen und Landwirten.
00:15:46: Bernard Albers hat zum Beispiel am Kichererbsenforum teilgenommen.
00:15:49: "Wir
00:15:49: haben uns dann am Wochenende getroffen, jeder hatte aus seinen Erfahrungen berichtet.
00:15:54: und dann ist immer das Schöne wenn du auch ganz bescheidene Erfahrungen gemacht hast, dann weißt du, dass es dir nicht alleine so gegangen ist.
00:16:02: Ich meine es macht den Effekt noch nicht besser, aber irgendwo fühlt man sich dann besser.
00:16:07: Risikobereitschaft
00:16:08: und Existenzsicherung Die Lust auf Neues und die Gefahr, sich dabei zu verzetteln.
00:16:14: Das sind Gegensätze, die Bernhard Albers beim Betrieb seines Hofes ständig ausbalancieren muss sowie das Verhältnis von Beikraut- und
00:16:20: Feldfrüchten.
00:16:31: "Wenn dann mal ein Problem kommt, das werden wir lösen, hoffe ich zumindestens. Aber das müssen wir auch nicht aus dne Augen verlieren, das ist die WIrtschaftlichkiet muss da sein dann wirst du auch ja die Ressource Ackerland nicht mehr haben.
00:16:42: Ich muss mich ja mit meinen Kollegen um das Ackerland bemühen, weil ich die Leute fragen wie viel Pacht kannst
00:16:48: denn zahlen und da muss ich mit meinen konventionellen Kollegen ja gleich halten können.
00:16:55: Und die Leute freut es ungemein wenn ich ökologisch wirtschafte aber die freut es auch wenn sie ihre Pacht pünktlich und im abgemachten Rahmen bekommen."
00:17:05: Die Entscheidung, vor fünf Jahren den Hof auf ökologischen Landbau umzustellen hat Bernhard Albers nie bereut.
00:17:12: Er sagt er sieht im Moment keine Absatzprobleme im ökologischen Bereich.
00:17:17: Trotzdem beobachtet er das nur wenige Betriebe im Moment den Umstieg wagen – obwohl der Klimawandel mit Hitze und Trockenheit den konventionellen Anbau zunehmend unkalkulierbar und unrentabel
00:17:28: macht.
00:17:29: Hier sieht Albers auch die Politik in der Pflicht, die richtigen Anreize zu setzen.
00:17:51: "Anders verteilt werden in der Form, dass wir sagen, wir müssen den Pflanzenschutz und den Dünger anders besteuern.
00:17:58: Von de Einnahmen können wir den ökologischen Landbau gut finanzieren, dass das steuerneutral ist.
00:18:05: Weil wir werden auch viele Folgekosten haben von den Pflanzenschutzmitteln, was noch gar nicht eingepreist ist.
00:18:11: Es muss da Geld eingesammelt werden und dann wird der ökologische Anbau von ganz alleine stärker werden, weil der konventionelle ja stärker belastet wird.
00:18:27: In der Podcastserie "Vielfalt in Brandenburg" ging es heute um Bernhard Albers, der auf seinem Hof in Märkisch-Oderland seit fünf Jahren unter anderem Leguminosen nach Biolandrichtlinien anbaut.
00:18:39: Weitere Folgen von Vielfalt in Brandenburg und Hintergrundinformationen gibt's auf der Website www.boell-brandenburg.de.
00:18:48: Wir freuen uns über Anregungen und Feedback per Mail an info@boell-brandenburg.de.
00:18:55: Ich bin Franziska Walser, schön dass ihr zugehört habt.
00:18:58: bis zum nächsten Mal. Vielfalt in Brandenburg Ein Podcast der Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg.
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